Christian Seidenzahl
Diplom Kunsttherapeut, Fachwirt für Sozial- und Gesundheitswesen,            Bildhauer und Maler


Was ist das geweihte Leben?

Eremiten oder Anachoreten sind solche, welche durch eine Bindung die evangelischen Räte des katholischen Kulturraums für sich übernommen haben.

Die „Evangelische Räte“ sind für diese geweihten Personen ein Leben in:

(Alte Definition:                gemeint ist heute:
• Armut                              Selbstbefreiung von Gier
• Gehorsam                      Gehorsam gegenüber den allewigen Gesetzen des Universums
• Ehelosigkeit                   einen sittlicher Lebenswandel führen
Die evangelischen Räte sind keine neue Erfindung: Schon vor den Anfängen der christlichen Kirche gab es Frauen und Männer, die durch die Befolgung der oben genannten Regeln ein Leben führten, das „dem Ewigen“ geweiht war.


In der christlichen Kirche werden die „evangelischen Räte“ als göttliche Gabe für den Menschen bezeichnet, welcher diese befolgend, sein Lebensschicksal selbst in die Hand zu nehmen in der Lage ist. Diese geweihten Frauen und Männer haben sich in besonderer Weise mit dem Weltenschicksal verbunden und in die Geheimnisse des Seins eingeweiht.


Diese Lebenshaltung wird als Geschenk empfangen und verstehen sich nur von diesem Grund her.

Die Berufung zum geweihten Leben:

Zunächst ist es das Sein selbst, das einen Menschen weiht, der ihn in eine bestimmte Form des geweiht Seins führt und ihm damit eine bestimmte Richtung gibt.


Der vorausgehende Ruf gebietet die individuelle Annahme und die existentielle Hingabe durch den Gerufenen.

• Die Antwort geschieht durch den individuellen Menschen, weil er die Gnade und den Ruf geschenkt bekommt. (Das sucht man sich nicht aus!)

• Dann folgt die freie Antwort des Menschen durch die Lebenshingabe an diese Berufung.

• Die Vollendung dieser Lebensform wird im tatsächlichen Erlebnis des bewusst erkannten individuellen und überindividuellen ewigen Lebens zuteil.

Heiligkeit der Berufenen

Die Heiligkeit der Berufung gibt die Kraft für das geweihte Leben, welche im üblichen Sein des unbewusst lebenden Menschen nicht möglich ist. Dies zeigt sich unter anderem in der Fähigkeit, andere Menschen zu gewinnen und sie zu bewegen, ihr ganzes Leben unter die Leitung durch die (neuen) evangelischen Räte zu stellen und bewusst die Einheit mit dem Universum erlebbar anzustreben.


Der geweihte Mensch liefert sich ganz der Berufung aus, das begründet gleichsam eine Weihe, die zutiefst einer ursprünglichen Taufweihe entspricht und diese vollendet zum Ausdruck bringen wird.
Mitten in der Welt nach Vollkommenheit in der Liebe streben – das machen die Eremiten aus. Sie sind Frauen und Männer, die durch diese heiligen Bindungen Zeugnis ihres geweihten Lebens und in ihrer apostolischen Tätigkeit zum Ausdruck bringen.

Sie bemühen sich, alles mit dem Geist des Wahrhaftigen zu durchdringen, und so zur Heiligung der Welt und zum Wachstum der Menschenliebe in der Welt beizutragen. Sie leben unter den gewöhnlichen Bedingungen der Welt gemäß den vorgefundenen Konstitutionen:
  • Allein
  • In ihrer Familie
  • In Gemeinschaft mit anderen Eremiten
  • und gehen ihren beruflichen Tätigkeiten nach. Sie beteiligen sich am geistlichen Auftrag zur Wahrheit, zur Schönheit und zur Liebe unter den Menschen in der Welt und gleichsam durch ihr „in der Welt stehen“, von der Welt her - zum Ewigen hin, beizutragen.

    Der geistige Eremit
    Die Eremiten bzw. Anachoreten sind die ältesten Formen des geweihten Lebens, aus deren Lebenswirklichkeit die evangelischen Räte abgeleitet wurden.

    Der geistige Eremit, der „in strengerer Trennung von der Welt, in der Stille des Allein-Seins“ sein Leben der Meditation, der Erkenntnis und dem Heil der Welt Vorrang gibt, weist auf das innerste Geheimnis des Menschseins hin. Sein Leben ist eine stille Predigt. Er lebt in der Welt, jedoch nicht mehr von der Welt.

    Seit 1983 ist ein eremitisches Leben kirchenrechtlich ermöglicht worden, dass nicht zwingend an einen Orden gebunden ist. Durch ein Gelübde oder durch eine andere heilige Bindung ggf. auch nur in die eigenen Hände, verpflichtet sich der Eremit auf die drei evangelischen Räte. Er /Sie führt ein Leben gemäß den Konstitutionen und der eigenen Lebensordnung in Gemeinschaft oder allein, und strebt nach Vollkommenheit in der Wahrheit und der Liebe zu allem Sein.

    Die „strengere Trennung von der Welt“ bedeutet für den Eremiten keine Weltflucht (es gibt Eremiten, die mitten in der Stadt wohnen), sondern eher eine innere Wachsamkeit des Herzens, eine größere Loslösung von allem, was sie von ihrer Berufung trennt.

    In lauschendem Hinhören wird der Eremit zu einer tieferen Verbundenheit mit dem Universum, dem Umkreis und den Menschen geführt. Das „Gebet“ des Eremiten ist, in Stellvertretung für die ihn umgebenden Menschen, die Suche und das Finden der wirklichkeitsrelevanten Wahrheiten. Dafür setzt er seine Kraft und Lebenszeit ein, dadurch wird in seiner Lebensform deutlich, dass Agape und Nächstenliebe zusammengehören. Immer ist er bereit, dem strebenden Mitmenschen zu sich selbst zu begleiten.

    Eine Einladung?   Ja!